Sicher-am-Limit

2011 waren Jörg Wurst und sein Team zum Zeitpunkt des Glemseck 101, auf der Suche nach einem neuen Übungsgelände für seine Sicherheitstrainings auf seinen ganz speziellen X-Wings ;) 2012 freuen wir uns umso mehr, dass er eine neue, schräge Heimat für seine geflügelten 2-Räder gefunden hat (Parkfläche Meilenwerk bei Böblingen). Und er einer der ersten ist, die uns als Sponsor zugesagt haben. Klasse Jörg, freut uns sehr, Dich und Dein Team wieder am Asphalt kratzen zu sehen und in voller Schräglage bei uns am 101 zu haben!

Gibt es eigentlich nur noch eine wichtige Frage für Uneingeweihte zu beantworten: Kann man mit »Stützrädern« (sog. Wings) am Motorrad spektakulär im Kreis unterwegs sein? Man kann!

Jedenfalls wenn jemand vom Team Sicher-am-Limit einem aufzeigt, was an Schräglage auf engstem Raum so geht – oder, Ground Zero, auch gar nicht mehr geht. Denn eine der üblichen Fallen in die man als Fahranfänger, aber auch geübter Fahrer beim freundlichen Landstraßensurfen geraten kann, sind die gemeinen Hundekurven. Plötzlich wird alles eng und die erste, meist falsche, Reaktion ist der volle Griff in die Eisen. Dabei bieten modernen Motorräder (mal abgesehen von den Fußrasten schleifenden Eisenschiffen) in Fahrwerk und Schräglage heute genug Reserven um, mit einem leichten Schweißfilm unter dem Helm, diese mieseste aller Kurve zu meistern.

Doch wann und wo soll man diese und andere Situationen trainieren? Noch dazu das eigene, schön polierte und geputzte Bike der Gefahr eines Übungssturzes aussetzen? Brrrr!

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Quelle: http://www.glemseck101.de/wordpress/2010/06/sicher-am-limit/#more-344

 

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Knieschleifen

Gebrauchsanweisung

Hier geht es darum, wie schnell man in eine Kurve einlenkt. Ein großer Vorteil für den Fahrer ist die Hanging-Off-Technik. Das Knie ist nicht nur Schräglagenfühler, es gibt auch eine bestätigende Rückmeldung, ob man schnell genug abgewinkelt hat. Wenn man immer wüsste, wie weit man bereits unten ist und wie tief man abwinkeln kann, würde man sich dann nicht zutrauen, schneller in die Kurve zu lenken? Wenn man das Knie als Schräglagenfühler benutzt, erhält man jedes Mal eine Antwort auf diese Frage, wenn man in eine Kurve geht. Wie weit man abwinkeln kann (der maximal mögliche, noch sichere Winkel), ist eine Frage, die sich nur durch Erfahrung mit dem eigenen Motorrad beantworten lässt. Auf jeder Sportmaschine ist Knie bereits unten, lange bevor man den maximal sicheren Winkel erreicht hat.

Wie es meist beginnt

Meistens geschieht es das erste Mal auf einem abgelegenen Parkplatz. Obwohl es eigentlich keinen Grund zur Aufregung gibt, geht der Atem schneller und der Puls beginnt zu rasen. Kalter Schweiß steht auf der Stirn. Man fährt unzählige Kreise in der Hoffnung es möge endlich soweit sein und dann passiert es endlich: das helle Kratzen des Knieschleifers löst alle Spannungen, das Knie berührt den Boden.

Dies ist gar nicht so schwer. Anstatt mit den Knien am Tank die Rutschgrenze auszuloten, lehnt man sich mit dem Körper zur Kurveninnenseite (hängt sich off) oder andersherum richtet die Maschine unter sich auf. Im Extremfall geht das so weit, bis das Knie am Boden schleift. Durch die Schwerpunktverlagerung beim Hanging-Off  erreicht man bei gleicher Schräglage höheren Kurvenspeed oder braucht bei gleichem Kurventempo weniger Schräglage. Für den ersten Versuch mit dem Knieschleifen eignet sich am besten ein sauberer und ebener Platz, auf dem gefahrlos Kreise gefahren werden können. Oder man nutzt eine weite Kurve als Übungsfeld. Voraussetzung für eine ruhige Kurvenfahrt ist wenig Drehzahl, harte Lastwechsel stören nur Linie und Konzentration. „Optimal fährt es sich im hohen Gang, wenn der Motor noch nicht so reißt. Nicht schnell, aber genug, um die Maschine ein bisschen einzufedern“. Obwohl die Bewegungsabläufe in beide Kurvenrichtungen gleich sind, sollte man zuerst links herum beginnen, so lässt sich das Gas feiner dosieren.
Und so wird’s gemacht:

  • Vor der Anfahrt zum Kreis oder zur Kurve neben das Motorrad rutschen. Halber Po.
  • Mit dem äußeren Knie am Tank halten.
  • Den Kurven inneren Fuß auf der Raste nach hinten setzen und dabei das Knie weit abspreizen.
  • Den Lenker dabei locker mit den Händen führen.

Am Anfang sind die Bewegungen noch ungelenk und bringen Unruhe ins Motorrad, doch mit etwas Übung wird der Ablauf immer geschmeidiger. Wichtig: Den rechten Unterarm sanft auf dem Tank ablegen. Den Blick, wie bei jeder Kurvenfahrt, Richtung Kurvenausgang oder Kreismittelpunkt richten. Schließlich abwinkeln und nicht erschrecken, wenn sich der Knieschleifer lautstark meldet. Bei erfolgreichem Versuch gleich noch in der anderen Richtung üben.

 

Das Fahren mit Knieschleifer im Detail:

Bild1

Anfahrt:

Beim Bremsen den Oberkörper aus der Verkleidung heraus in den Fahrtwind strecken, denn das bremst zusätzlich. Vor allem der Hintern muss jetzt weg von der Mitte und Richtung Kurve rutschen – aber nicht zuviel, eine Pobacke abseits der Sitzbank genügt.
Knie raus!
Das spreizen des Knies in den Fahrtwind hilft beim Einlenken!
Bild2

Einlenken:

Jetzt den Oberkörper zur Kurveninnenseite lehnen, den Schwerpunkt nach innen verlagern.
Wichtig: Lenker locker führen, die eigenen Bewegungen werden nur aus den Beinen heraus, über den Druck auf die Fußrasten, ausgeführt. Alle Bewegungen sollten so geschmeidig wie möglich ablaufen!
Bild3

Eingang:

Den Blick Richtung Kurvenausgang richten, er bestimmt die Linie. Die kurveninnere Schulter zeigt automatisch nach vorn. Noch ein paar Millimeter und der Knieschleifer berührt den Asphalt.
Bild4

In der Kurve:

Das Knie ist auf dem Boden und schleift locker auf dem Asphalt. Nicht zu viel Druck ausüben! Über diesen Bodenkontakt lässt sich gut die Schräglage erfühlen.
Auf Curbs und ähnliches aufpassen! 
Man kann daran leicht hängen bleiben!
Bild5

Im Scheitel:

Jetzt kann man die Schräglage nachkorrigieren. Wenn man sich mehr zur Kurveninnenseite hin lehnt, richtet sich das Motorrad automatisch auf und die Schräglage wird weniger. Mehr Schräglage erreicht man wenn man das Knie ein wenig einzieht.
Keine Angst:
Auf den Boden fallen geht nicht mehr, schließlich liegt man ja schon!

 

auf die Innenseite sieht und seinen Einlenkpunkt verpasst.
Fährt man weniger aggressiv, sucht man sich seinen Einlenkpunkt und macht es dann richtig.
Präzision ist wichtiger als Tempo! Das gibt ein Gefühl der Befriedigung.

Hanging-Off ist Wenn man „mit Gewalt“ in die Kurve geht, kriegt man mitten drin Schwierigkeiten, weil man ein Teil des Repertoires an Fahrtechniken eines Rennfahrers.
Wenn meine Stiefelspitze und mein Knie am Boden sind, dann weiß ich, dass ich am Limit bin.
Ich weiß, dass die Räder Bodenkontakt verlieren, wenn ich noch weiter runter gehe.“
Doug Chandler
Superbike-Weltmeister

 

Dank an die Knieschleifer

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